
Der Lido von Venedig, mit seinen von Bäumen gesäumten Straßen, den Jugendstilvillen und dem goldenen Licht, das den Sand streichelt, war schon immer ein Ort der Inspiration für Künstler und Schriftsteller.
Zu den berühmtesten Werken, die auf dieser Insel spielen, gehört Der Tod in Venedig (Death in Venice) von Thomas Mann, veröffentlicht 1912. Diese kurze Novelle erzählt die Geschichte von Gustav von Aschenbach, einem deutschen Schriftsteller, der nach Venedig reist, um seine Gesundheit zu kurieren, und dort den Tod findet – verzehrt von einer obsessiven Liebe zu einem jungen polnischen Jungen, Tadzio.
Der Lido, mit seiner dekadenten Atmosphäre und der Lagunenlandschaft, wird zur idealen Bühne für diese Seelentragödie. Seine Strände, eleganten Hotels und stillen Straßen bieten die perfekte Kulisse für Reflexionen über Schönheit, Tod und Kunst.
Luchino Viscontis Film von 1971: Ein cineastisches Meisterwerk
1971 brachte der italienische Regisseur Luchino Visconti Manns Novelle mit dem Film Tod in Venedig auf die große Leinwand, mit Dirk Bogarde als Aschenbach und Björn Andrésen als Tadzio. Der Film wurde hauptsächlich auf dem Lido von Venedig gedreht, insbesondere im Grand Hotel des Bains, das als zentrale Kulisse der Geschichte dient. Viscontis Entscheidung, den Film auf dem Lido zu drehen, war bewusst: Für ihn verkörperte die Insel einen Übergangsraum zwischen Leben und Tod, zwischen Schönheit und Verfall.
Der Film wurde 1971 bei den Filmfestspielen von Cannes uraufgeführt, wo Visconti den Sonderpreis zum 25-jährigen Jubiläum seiner Karriere erhielt. Er gewann außerdem zahlreiche internationale Preise und Auszeichnungen, darunter den David di Donatello für die beste Regie und den BAFTA-Preis für die beste Kamera.
Der Lido heute: Ein Ort der Erinnerung und Inspiration
Heute bewahrt der Lido di Venezia noch immer den Zauber, der ihn in Roman und Film berühmt gemacht hat. Beim Spaziergang durch seine von Bäumen gesäumten Straßen kann man Jugendstilvillen, goldene Strände und üppige Gärten bewundern, die schon viele Künstler inspiriert haben. Das Grand Hotel des Bains, seit 2004 leider geschlossen, bleibt ein Symbol jener goldenen Ära des Lido. Glücklicherweise ist ein Restaurierungs- und Wiederbelebungsprojekt im Gange, das hoffentlich bald diesem architektonischen und kulturellen Juwel seinen alten Glanz zurückgibt und es wieder zum pulsierenden Herzen des Insellebens macht.
Der Lido ist zudem Austragungsort der Internationalen Filmfestspiele von Venedig, eines der wichtigsten Filmereignisse der Welt, das jedes Jahr Filmemacher, Schauspieler und Kinoliebhaber aus aller Welt anzieht.
In diesem Kontext bleibt Tod in Venedig ein Referenzwerk – eine Brücke zwischen Literatur, Kino und Realität.